Krebse / crayfish

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Einleitung

Nach dem Boom auf Garnelen sind nun die Krebse recht populär. Wie bei den anderen Wirbellosen hat man in den Fachgeschäften selten eine größere Auswahl dieser interessanten Tiere. Folgend erhalten Sie allgemeine Informationen und persönliche Erfahrungen.

Haltung + Gestaltung

Krebse können je nach Art eine Länge von ca. 3-30 cm erreichen. Kleine, untereinander friedliche Arten kann man paarweise im Artenbecken ab 10 Liter halten, während die großen Arten Behälter ab 1m Länge aufwärts benötigen. Es eignet sich Kies oder Sand als Bodengrund. Größere Arten kann man auch gut in Barschbecken halten, da diese recht spärlich bepflanzt sind. Viele Arten wie z.B. der amerikanische Sumpfkrebs haben nämlich eine Vorliebe für Grünzeug. Weiterhin muß man auf eine feste Konstruktion der Einrichtung achten (evtl. mit Silikon gegen verrutschen sichern). Die Krebse gestalten nämlich das Aquarium gerne nach Ihren eigenen Wünschen.
Die kleineren Arten wie z.B. aus der Gattung Cambarellus sind da schon weniger problematisch. Wenn man den Tieren Höhlen in verschiedenen Größen bietet, sind die meisten Arten schon zufrieden. Gerade einige der Cambarus-Arten haben aber einen ausgeprägten Zwang Höhlen selbst zu graben. Für Jungtiere müssen Verstecke in Form kleiner Höhlen geschaffen werden. Dies ist gut und kostengünstig mit Lochziegel zu erreichen. Sehr gut ist auch das sogenannte Lochgestein geeignet, wobei man am besten mehrere Steine verschachtelt, so dass Hohlräume und Gänge entstehen. Eine teilweise dichte Bepflanzung, sowie kleinere Steine oder Holzstücke haben sich als Sichtschutz oder Revierabgrenzung bewährt. Krebse sind meist untereinander mehr oder weniger aggressiv. Dies kann nur innerartlich unter Männchen, als auch generell gelten. Außerdem sind Krebse schon mal recht scheu, bzw. nachtaktiv und deswegen für Ihr Wohlbefinden auf Verstecke angewiesen. Eine Überbesetzung kann leicht zu Kannibalismus führen.
Die Technik des Aquariums sollte einem normalen Fischbecken entsprechen. Auf ausreichende Sauerstoffzufuhr ist zu achten. Die meisten bei uns gepflegten Krebse kommen aus Australien und Nordamerika. Eine Wassertemperatur von ca. 23°C wird für die meisten Arten zuträglich sein, wobei meist ein kühleres Klima bzw. jahreszeitliche Schwankungen bevorzugt wird. Bezüglich der Wasserwerte sind Krebse tolerant. Natürlich ist auch hier sauberes schadstofffreies Wasser, ebenso wie dessen regelmäßiges wechseln Pflicht. Ich persönlich würde eher härteres Wasser bevorzugen in Hinblick auf die Häutung. Der Kalk im Wasser wird für die Bildung des Panzers benötigt.

 

Fortpflanzung, Geschlechtsunterschiede + Häutung

Die Fortpflanzung findet wohl einige Tage nach der Häutung statt. Nach der Häutung dauert es mehrere Tage bis der neue Panzer ausgehärtet ist. In dieser Zeit wächst der Krebs und hält sich permanent in seinem Unterschlupf auf. Während dieser Phase ist er besonders anfällig und es kann vorkommen, dass er von seinen Artgenossen gefressen wird (Kannibalismus). Eichenlaub soll Stoffe enthalten, welche die Tiere zur Häutung benötigen. Ebenso sollte hierfür das Wasser genügend Kalk enthalten. Gerade in der ersten Lebenszeit häuten sich die Krebse sehr oft, im Gegensatz zum fortschreitenden Alter. Hier liegt häufig die Ursache für ein Versterben von Jungtieren, da es sich um eine gewaltige Anstrengung handelt, welche durch beste Umweltbedingungen unterstützt werden muß. Bei der Häutung werden auch beschädigte oder fehlende Gliedmaßen ersetzt.

Zur Unterscheidung der Geschlechter muß man die Tiere in der Rückenlage betrachten. Die Männchen haben zwischen den Schreitbeinen Begattungsgriffel, welche bei den Weibchen fehlen. Je nach Gattung sind diese Unterschiede etwas anders gestaltet. Vereinfacht kann man sagen, dass innerhalb der gleichen Art die oben gennante Körperpartie bei einem Paar unterschiedlich aussehen muß. Beim Kauf sollte man also unbedingt darauf achten, auch wirklich ein Pärchen zu erhalten. Leider sind viele Fachhändler bei der Unterscheidung der Geschlechter nicht gut informiert und verlassen sich auf augenscheinliche Unterschiede wie: buntere Färbung, größere Scheren oder Gesamtgröße.

Die Paaarung wird je nach Art durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst. Zum Beispiel bei den Gattungen Cambarus oder Orconectes geschieht dies nur 1-2 mal im Jahr, ausgelöst durch ein deutliches Absinken der Temperatur von mehreren Wochen. Nach der Temperaturerhöhung schreiten die Tiere dann zur Fortpflanzung.
Das Krebsmännchen dreht das Weibchen bei der Paarung auf den Rücken. Während der Tragzeit hält das Weibchen die Eier mit Ihren Schwimmbeinen, und nach durchschnittlich 2-3 Wochen Tragzeit schlüpfen die Jungtiere. Die meisten Züchter separieren zuerst die Weibchen mit Eiern in ein kleines eingefahrenes Becken. Nach dem Schlupf werden die Weibchen von den Jungtieren separiert, da diese als Nahrung angesehen werden könnten. Die Verteilung der Geschlechter und das Wachstum hängt viel von der Temperatur ab.

Ernährung

Krebse sind Allesfresser und in freier Natur als Müllabfuhr im Einsatz. Eine abwechslungsreiche artspezifische Ernährung ist Voraussetzung für erfolgreiche Haltung und Zucht. Manche bevorzugen pflanzliche Kost, sind also für prächtige Pflanzenbecken denkbar ungeeignet. Andere Spezies wiederum haben vor allem Fische oder andere Wirbellose auf dem Speiseplan. Meine Krebse sind ganz wild auf gefrorenen Brei aus Spirulina mit ausgedrückten Erbsen. Die Cambarus sind besonders auf Frostfutter wie rote Mückenlarven scharf . Probleme bei der Fütterung hat man schon mal bei vorwiegend nachtaktiven Arten, wie bei mir Cherax Papuanus und Cambarus Coosawattae. Im bepflanzten Gesellschaftsbecken mit vielen Verstecken und der Konkurenz durch Fische oder andere Wirbellose kommen sie oft zu kurz. Dort versuche ich bei Sichtung der Tiere eine gezielte Fütterung. Hier ist eine Zusatzfüterung mit Eichenlaub besonders wichtig, da sie sonst wirklich zu wenig zu fressen haben.
Um eine ausreichende Versorgung der Tiere zu gewährleisten, muß man sich umfassend über die Bedürnisse der gepflegten Arten informieren.

Krankheiten + Risiken

Krebse sind recht robuste Tiere. Empfindlich sind sie allerdings bei Schwermetallverbindungen und Häutungsproblemen.
Besonders Jungtiere können durch unpassende Umweltbedingungen stark dezimiert werden. Der bereits erwähnte Kannibalismus ist ebenfalls ein großes Risiko, welches durch ausreichend große Becken und genügend Versteckmöglichkeiten abgeschwächt werden kann.
Aus leidvoller Erfahrung kann ich vor zu hohen sommerlichen Temperaturen warnen. Besonders einige nordamerikanische Arten reagieren empfindlich auf länger andauernde hohe Temperaturen.
Ein großes Thema ist die Krebspest. Amerikanische Arten sind weitgehend immun gegen diese Krankheit, tragen aber die Erreger in sich. Aufgrund dieser Gefahr dürfen keine ausländischen Krebse in Gartenteichen gehalten werden. Diese unternehmen Wanderungen in natürliche Gewässer und bedrohen so einheimische Arten.
Altes, braunes Laub von Eiche oder Buche beugt der Rostfleckenkrankheit vor. Es handelt sich hierbei um geschwürartige Erhebungen und Verfärbungen des Panzers.
Weiterhin können Viren, Egel, Pilze, Parasiten und andere Unannehmlichkeiten für den Tod der Tiere verantwortlich sein.
Anders als bei Fischen gibt es noch keine heilenden Präperate zur Anwendung. Am Besten man entnimmt also erkrankte Tiere, um einer Verbreitung von Krankheiten vorzubeugen.

Vergesellschaftung

Kleine Spezies können von Fischen gefressen werden, während Krebse auch Fische fressen. Hier muß man sich über die jeweilige Art genau informieren. Die Haltung mit Garnelen ist meistens unproblematisch. Es kommt dabei auch viel auf den zur Verfügung stehenden Platz und die Einrichtung an. Ich konnte bereits den als harmlos geltenden Cambarellus patzcuarensis beim Verspeisen einer ausgewachsen grünen Garnele beobachten. Die kleinen Frechdachse kneifen blitzschnell mit Ihren Scheren nach allem was sich bewegt oder Futter sein könnte. Was zu langsam ist wird dann halt gefressen. Garnelen sind besonders während der Häutung recht wehrlos, also bleiben Ausfälle hier nicht aus.
Manche Krebse sind generell oder auch nur innerartlich sehr aggressiv. Mit meinen Krebsen hatte ich da bisher keine Probleme. Es wird mal mit den Scheren gedroht, aber richtig passieren tut da nichts.

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© 2005 Frank Kulich