Zwerggarnelen

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Einleitung

Fast jeder größere Fachhändler hat mittlerweile Garnelen im Angebot (leider teilweise in schlechter Qualität oder zu recht happigen Preisen). Inzwischen sind, besonders bei Privatverkäufern, recht viele Arten zu erwerben. Es werden auch immer wieder mal neue oder seltene Arten importiert.
Da ich kein Biologe und vielmehr ein praktisch veranlagter Mensch bin, versuche ich folgend in einfachen Worten einige Merkmale der Zwerggarnelen zu schildern. Auf lateinische Bezeichnungen und detaillierte Identifizierungsmerkmale habe ich daher bewußt verzichtet.

Haltung + Gestaltung

Zwerggarnelen bleiben recht klein, daher kann man schon Behälter ab 12 Liter benutzen. Solche Becken sind aber meist schwieriger zu pflegen und sollten erfahrenen Aquarianern vorbehalten bleiben. Eine "normale" Anlage hat ca. 50 Liter und läuft wohl einiges stabiler. Damit die neugeborenen Garnelen nicht im Filter verenden, muss man den Filtereingang entsprechend Garnelensicher machen (Nylonstrumpf, Vorfilter etc.). Meistens werden spezielle Garnelenbecken mit Mattenfiltern betrieben, doch ich benutzte bislang luftbetriebene Schaumstoffpatronen. Diese bieten, genau wie die Mattenfilter, dem Garnelennachwuchs mit dem vorhandenen Mulm eine gute Nahrungsgrundlage und sind dabei recht einfach zu reinigen. Leider sind die erforderlichen Membranpumpen recht laut und teuer. Außerdem hatte ich ab und an einen Filterausfall. Wahrscheinlich lag das vorrangig an der Verwendung von 2 Filtern pro Pumpe. Mitlerweile habe ich meine Anlage auf Mattenfilterbetrieb mit kleinen Elektropumpen von 5 bis 8 EUR umgestellt. Folgende Vorteile: sehr wartungsarm, sehr günstig in Anschaffung und Verbrauch, geräuschlos, bedarfsgerecht da variabel in Form, Leistung und Größe, Garnelensicher, gute Reinigungswirkung und klares Wasser.
Eine dichte Bepflanzung ist Pflicht. Moosarten sind nach meiner Erfahrung besonders wichtig. Die Garnelen sind den ganzen Tag damit beschäftigt diese nach Nahrung durchzukämmen. Als Bepflanzung für kleine Becken eignen sich anspruchslosere gut zu kultivierende Sorten (s. unter Pflanzen). Weiterhin sollten einige dekorative Stücke Holz nicht fehlen. Getrocknetes Buchen- oder Eichenlaub verbessert das Wohlbefinden und beugt Häutungsproblemen vor. Als Bodengrund benutze ich normalen Aquarienkies mit einer Körnung von 1-3mm. Darunter befindet sich eine Schicht Dünger (Deponit-Mix), falls wurzelnden Pflanzen eingesetzt werden. Für gutes Pflanzenwachstum sollte auch genügend Licht vorhanden sein. Meistens werden die kleinen Aquarien nur mit einem Leuchtbalken ausgestattet. Gerade während der Einlaufphase, wenn das Holz noch viele Gerbstoffe abgibt, kann man mit Reflektoren die Lichtausbeute kostengünstig erhöhen. CO²-Zugabe wäre schön, ist aber erst bei größeren Becken sinnvoll. Ich habe mal Bio-Co² eingesetzt, aber der Wert schwankte aufgrund der unregelmäßigen Vorgänge zu sehr, was für Garnelen ungeeignet ist. Meine kleinen Becken bekommen regelmäßig Flüssigdünger und das Pflanzenwachstum ist zufriedenstellend. Eine Wassertemperatur von ca. 23°C wird den meisten Garnelen angenehm sein. Meine Becken sind teilweise gar nicht beheizt, wobei von den Tieren auch größere temporäre Unterschiede gut verkraftet werden. Je nach Herkunft können im natürlichen Biotop winterliche Temperaturen von nur 5 bis 10°C vorkommen. Zwerggarnelen stellen zwar normalerweise keine besonderen Anforderungen an die Wasserwerte, dass gilt aber nicht für die Wasserbelastung. Regelmäßiger Wasserwechsel ist daher Pflicht, obgleich andere Garnelenhalter schon mal bis zu 3 Wochen und länger den WW schleifen lassen. Man hört schon mal von Garnelen die aus dem Becken springen, deshalb wird empfohlen eine Abdeckung zu benutzen. Ich bin vielmehr aus eigener Erfahrung der Ansicht, dass in einem solchen Falle schlechte Wasserwerte die Ursache sind. Besonders Arten der Bienengarnele benötigen etwas länger für die Akklimatisierung und können aus diesem Grund auch versuchen, dass Wasser zu verlassen. Außerdem reagieren manche Arten empfindlich auf zu geringe Sauerstoffwerte, deshalb ist eine genügende Umwälzung des Wassers nicht zu vernachlässigen. Das ist besonders bei Fächergarnelen zwecks Nahrungsaufnahme nötig.


Fortpflanzung + Geschlechtsunterschiede

Man unterscheidet zwischen einfachen und spezialisierten Fortpflanzungstyp. Im Regelfall werden beim einfachen Typ viele Eier produziert, welche nach der Abgabe mit der Strömung ins Brack- bzw. Salzwasser getrieben werden. Es gibt aber auch Arten des einfachen Typs, welche die Fortpflanzung komplett im Süswasser abschließen. Ich möchte hier im allgemeinen auf den spezialisierten Typ eingehen, wo die gesamte Entwicklung im Süsswasser vollzogen wird.
Der Aufwand beim einfachen Fortpflanzungstyp (Brackwasser) wird von versierten Züchtern wahrscheinlich mehr aus informativen Gründen betrieben, da die Kosten und die Produktivität der Bemühungen im Normalfall wohl nicht rentabel sind.
Als Startpopulation sind mindestens 10-20 Tiere zu besetzen. Die Fortpflanzung findet nach der Häutung statt. Die Produktivität hängt sowohl von der Art, als auch von den Hälterungsbedingungen ab. Die Crystal Red haben so im Schnitt ca. 20-30 Eier. Grüne Zwerggarnelen haben wesentlich mehr und kleinere Eier. Die Tragzeit dürfte im Schnitt 3-4 Wochen betragen. Nach ca. 3-6 Wochen können die weiblichen Tiere bereits wieder Eier tragen. Bei einer Wassertemperatur über 25°C findet bei vielen Arten keine, bzw. eine eingeschränkteVermehrung statt und sollte daher möglichst unterschritten werden.
Geschlechtsunterschiede sind artspezifisch nicht so einfach festzustellen, es sei denn es handelt sich um ein Weibchen mit Eiern in der Bauchgegend. Bei einigen Arten kann man auch nach Farbgebungen unterscheiden. Männliche Fire-Zwerggarnelen sind meistens blasser rot ausgefärbt als die Weibchen, was aber kein genauer Anhaltspunkt sein kann, da noch andere Faktoren für die Farbgebung verantwortlich sind. Die Weibchen sind in der Regel größer und fülliger. Weiterhin haben die Weibchen mancher Arten einen sogenannten Eifleck in der Nackengegend. Es handelt sich hierbei um noch unbefruchtete Eier.
Wasserwechsel sind besonders für junge Garnelen wichtig. Das regt zur Häutung an und bringt benötigte unverbrauchte Stoffe ins Aquarium.
Gerade Privatzüchter werden kaum eiertragende Weibchen veräußern, daher sollte auch der Erstbestand nicht zu klein gewählt werden. Im Schnitt hat man dann bei 10 Tieren vielleicht 2 Weibchen dabei.

Ernährung

Ich bevorzuge hauptsächlich Fertigfutter in Granult- oder Tablettenform. Das Futter sollte qualitativ hochwertig sein und möglichst auch Bestandteile an Algen oder Pflanzen haben. Besonders bei farbenprächtigen Arten kann ein carotinhaltiges Futter die Farben verstärken. Frisches Gemüse sollte auf dem Speiseplan nicht fehlen. Dabei muß man ein wenig experimentieren welches bevorzugt wird. Ich zweige immer eine Scheibe Schlangengurke oder Zucchini von den L-Welsen ab. Mit roter Paprika habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, obwohl es sicher auch eine gute Nahrungsquelle darstellt. Wahrscheinlich war die Paprika mit Chemikalien wie Pestiziden behandelt worden, wodurch ein Großteil Crystal Red verstarben. Immerhin haben einige überlebt. Weiterhin kann der Speiseplan auch mit Frostfutter wie z.B. schwarze Mückenlarven oder Artemia aufgewertet werden (das soll außerdem wie Laub Häutungsproblemen vorbeugen). Buchen- und Eichenlaub wird ebenfalls verwertet und Spinat ohne Rahm, ausgedrückte Erbsen (ohne Haut) oder Haferflocken sind auch empfehlenswert.
Natürlich darf man den praktischen Punkt der Ernährung nicht verschweigen, denn Zwerggarnelen sind gute Algen- und Mulmfresser. Gerade für junge Zwerggarnelen ist Mulm wichtig. Einfach das Filtermaterial im Becken etwas auswaschen ohne dabei zu übertreiben. Besonders die Amanogarnele gilt als vorzüglicher Algenfresser. Es werden aber nur junge Algen vertilgt, also wird sich in einem stark veralgten Aquarium durch Garnelenbesatz nichts ändern.

Krankheiten + Risiken

Normalerweise sind Garnelen recht robust. Empfindlich sind sie allerdings bei Schwermetallverbindungen. Besonders Kupfer hat schon in kleinsten Mengen sehr schwere Auswirkungen. Daher aufgepasst bei Kupferleitungen. Erst das abgestandene Wasser ablaufen lassen. Vorsicht auch bei Medikamenten! Sollten die Fische mal krank werden ist eine Behandlung für die Garnelen gefährlich. Besser vorher umsetzen, falls entsprechende Heilmittel schädliche Substanzen enthalten. Die Packungsbeilage sollte über die Substanzen detaillierte Informationen liefern. Bei Pünktchenbefall der Fische habe ich mit Malachitgrün keine negativen Auswirkungen auf Garnelen feststellen können. Ich habe auch schon von der Rostfleckenkrankheit (oder so ähnlich?) gehört. Das betrifft aber wohl mehr Importtiere. Wie bei "Ernährung" beschrieben muß man auch beim Futter aufpassen. Mit Chemikalien behandeltes Gemüse darf nicht ins Becken gelangen. Gemüse kommt bei mir daher nur noch geschält (je nach Art) ins Becken um solche Risiken zu vermeiden. Auch neu eingebrachte Aquarienpflanzen können beim Züchter mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sein! Sollten Zwerggarnelen ungewohnt aktiv sein, kann es an schlechtem Wasser oder einfach nur an der Paarungsbereitschaft liegen. Garnelen können auch aus dem Wasser springen, wenn mit dem Wasser etwas nicht in Ordnung ist oder sie verschreckt wurden. Also ist das Becken gut abzudichten oder zumindest bei Veränderungen bzw. neu eingerichteten Becken das Verhalten der Tiere genau zu beobachten. Besonders die Crystal red neigen nach dem Umsetzen dazu. Auch wenn die Garnele sich schon trocken anfühlt, sollten Sie immer einen Rettungsversuch wagen und das Tier einfach zurück ins Wasser geben.
Das Umsetzen ist ebenfalls anders als bei Fischen gewohnt. Die Tiere müssen wesentlich langsamer an die veränderten Wasserwerte angepasst werden. Das heißt, dass man zwischen 1,5 - 3 Stunden dafür einplanen muß. Anfangs wird nur ca. 10-15% der vorhandenen Wassermenge mit dem Aquarienwasser aufgefüllt. Nach entsprechender Verdünnung des Ausgangswassers kann man später auch etwas größere Mengen beifügen. Hinterher sollte man mindestens die 4-fache Menge des Ausgangswassers erhalten, und dafür mindestens 6-8 mal AQ-Wasser in Abständen von ca. 15 Minuten zugefügt haben. Jedenfalls habe ich mit dieser Methode bisher keine Probleme durch Neubesetzung bekommen.
Ein Technikausfall ist in der Regel selten, kann aber vernichtende Auswirkungen haben. Läuft der Filter nicht mehr, kann Sauerstoffmangel auftreten. Durch Fäulnis wird der Sauerstoffgehalt weiter drastisch reduziert. Bereits tote Tiere beschleunigen diesen Prozess und es besteht akuter Handlungsbedarf. Leider wird dieser Ausfall nicht immer schnell genug erkannt.

Vergesellschaftung

Man sollte Zwerggarnelen nicht mit unruhigen und/oder größeren Fischen vergesellschaften. Amanogarnelen können schon mit etwas größeren Fischen auskommen, sofern diese nicht agressiv sind oder die Garnelen als Futter ansehen. Kleinere Arten wie z.B. Bienengarnelen sollten höchstens mit kleinen Salmlern oder Ancistrusarten gehalten werden. Manche Arten können bei aufdringlichen Fischen recht scheu werden und leben nur noch versteckt.
Bestimmte Garnelenarten können sich untereinander kreuzen. Das wird allgemein als unerwünscht betrachtet. Welche Arten sich diesbezüglich vergesellschaften lassen ist für mich schwierig zu beantworten. Ich denke das die verschiedenen Arten des einfachen Fortpflanzungstyps sich ohne Probleme gemeinsam halten lassen. Diese Arten brauchen normalerweise Brackwasser zur Entwicklung der Larven. Wenn man diese Arten nicht speziell züchten möchte ist im normalen Süsswasseraquarium eine Kreuzung wohl ausgeschlossen.
Die spezialisierten Fortpflanzungsarten bringen nach ca. 3-4 Wochen Tragzeit fertig entwickelte kleine Garnelen zur Welt. Bei diesen Arten ist also bzgl. unerwünschten Kreuzungen Vorsicht geboten. Nach meinem Wissen kreuzen sich Red Fire und Grüne Garnelen nicht mit anderen Garnelen. Tiger-, Hummel- und Bienengarnelen können sich untereinander kreuzen. Mittlerweile liegen einige Erkenntnisse auf diesem Gebiet vor.

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© 2005 Frank Kulich